Die Fasnet ist viel zu schön, um nur bis zum Tag vor Aschermittwoch gefeiert zu werden: In der Oberrheinischen Narrenschau in Kenzingen kommen Fasnetfans das ganze Jahr über auf ihre Kosten.

Kenzingen. In dem Museum präsentiert der Verband der Oberrheinischen Narrenzünfte (VON) die bisweilen recht fantasievollen Gesichtsmasken und Narrenkleider seiner Mitgliedszünfte. Mag das Gebäude in der Alten Schulstraße 20 von außen auch recht unscheinbar wirken, schon beim Eintreten zeigt sich eine Sammlung, die so bunt ist wie die Fasnacht selbst. Insgesamt werden dort mehr als 400 Häsfiguren, Masken und Orden präsentiert.

"Sogar aus Venezuela hatten wir schon Besuch", meint Gudrun Reiner, die Vorsitzende des Fördervereins der Narrenschau, wobei es sich um die Nachfahren einstmals ausgewanderter Endinger handelte, die irgendwann selbst ihre eigene Narrenzunft gründeten und prompt ein paar ihrer Gewänder in Kenzingen zurückließen. Auf insgesamt fünf Etagen werden die Exponate präsentiert. Beheimatet sind die Zünfte in der Ortenau, im Dreiländereck, im Hochschwarzwald sowie im Breisgau. Zudem sind mehrere Masken und Trachten aus der Schweiz und aus Österreich ausgestellt.

Beeindruckend sind nicht nur die gestalterische Vielfalt, sondern auch die fast schon märchenhaften wie mittelalterlichen Komponenten, die sich auf Schritt und Tritt und mit jedem Blick den Besuchern erschließen. Da werden Bär und Eule als groteske Fabelwesen wieder lebendig, während Hexen und andere Gestalten mit wilden, aber auch komischen Grimassen von den Wänden grüßen. "Nicht selten beruht das Häs auf einer wahren mittelalterlichen Begebenheit, zu der es allerdings kaum schriftliche Überlieferungen gibt", berichtet Vereinsbeisitzer Urban Schmidt. Bei der schier unerschöpflichen Vielzahl schaffen es wohl nur eingefleischte Fasnachtsfans wie Reiner oder Schmidt, der seit seinem vierten Lebensjahr der Zunft verschrieben ist, einen konkreten Überblick zu wahren.

Vom "Schnurrwieb", der dörflichen Tratschtante, bis zum "Welle-Bengel", dem Holzmacher mit Schellen am Leib – um zwei Kenzinger Figuren als Beispiel zu nennen –, ließen sich ganze Lexikaseiten in Sachen südbadischer Fasnacht füllen. Auch ihren Bildungsauftrag wollen die Betreiber des seit 41 Jahren bestehenden Museums wahrnehmen, werden doch auch für Schulklassen immer wieder Führungen mit der entsprechenden fachlichen Erläuterung vorgenommen.

Geöffnet ist das Museum von Januar bis November samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. Anfragen beantwortet die Stadtverwaltung Kenzingen unter Telefon 07644/90 01 13 und per E-Mail an tourismus@kenzingen.de.