Dichtes Grün, üppig nachwachsende Jungbäume und gesundes, wohlgenährtes Wild: Es sind positive Bilder, die Förster Markus Gutmann im Kehler Stadtwald präsentieren kann – trotz des Eschentriebsterbens.

Kehl (red/fx). Seitdem vor knapp zehn Jahren die ersten Anzeichen der von einem Pilz verursachten Krankheit festgestellt wurden, unterstützen Gutmann und seine Mitarbeiter die Strategie der Naturverjüngung, also die natürliche Reproduktion eines Baums oder eines ganzen Bestands. Dass dieses Konzept aufgeht, davon zeugen zahlreiche gesunde Jungbäume, deren Grün die Lücken im Waldgebiet, die durch das Eschensterben entstanden sind, allmählich wieder schließen. "Wir sind auf dem richtigen Weg und können das Eschentriebsterben mit all den Folgen für den Wald und seine Bewohner momentan ganz gut beherrschen", erklärt Gutmann.

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Dass die Entwicklung hin zu einer größeren Pflanzenvielfalt für den Fortbestand des Walds wichtig ist, davon zeugen die großen Lücken, die die abgestorbenen Bäume hinterlassen haben. Denn vor etwa 40 bis 50 Jahren wurden in dem Wald noch überwiegend Eschen angepflanzt. "Mehrstufig und gemischt wachsende Bestände mit viel Struktur bieten den Wildtieren Deckung, Schutz und einen reich gedeckten Tisch", zählt der Förster weitere Vorteile der artenreichen Aufforstung auf. Gleichzeitig werde der Wald nicht nur für seine Bewohner, sondern auch für Besucher stetig ansprechender, denen die ökologisch wertvollere Pflanzenvielfalt und der Wechsel zwischen lichten und dunklen Bereichen in der Regel ebenfalls besser gefalle als ein Wald, in dem Baumreihe neben Baumreihe stünde.

Weil knapp 40 Prozent des 770 Hektar umfassenden Stadtwalds aus eschendominierten Beständen bestehen, sind die Folgen der Krankheit immens. "Der Zustand der Bäume hat sich stetig verschlechtert", sagt Gutmann. Darum müssen er und seine Mitarbeiter möglichst viele der erkrankten Bäume fällen, damit Lichtschächte entstehen, in denen die Sämlinge der anderen Pflanzen auf natürliche Weise gedeihen und sich zu neuen, gesunden Bäumen entwickeln können.

Auf einem Drittel der Flächen, deren Baumbestand vom Eschentriebsterben befallen ist, funktioniert die Naturverjüngung dank der harten Arbeit von Gutmann und seinen Mitarbeitern tadellos. "Wenn der Pilz nicht noch schneller und stärker fortschreitet, können wir mit einem blauen Auge davon kommen", versichert der Förster. Die Folgen des Baumsterbens seien durch die bereits erfolgreich nachwachsenden Jungbäume abgemildert worden. Die Gefahr, dass in ganzen Teilen des Waldes ausschließlich tote Eschen stünden, bestünde somit nicht mehr.

Die Naturverjüngung glückt allerdings nicht an jedem Standort – auf manchen Flächen schießen Unkraut, Hecken oder Gras durch die starke Sonneneinstrahlung ungehindert in die Höhe und nehmen den Jungbäumen so das zum Wachsen benötigte Licht. Damit auf diesen Flächen trotzdem wieder Bäume gedeihen können, werden sie vorwiegend mit Eichen, Pappeln, Buchen, Erlen und Hainbuchen bepflanzt, die mit ihren Wurzeln in dem lehmigen, schweren Boden gut zurechtkommen. Sie sollen das Gerüst für den Baumbestand der kommenden 50 bis 100 Jahre bilden.

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Kahlschlag ist nicht die Lösung

Beim Kampf gegen das Eschentriebsterben hat sich die Stadt Kehl gegen einen Kahlschlag mit anschließender Neubepflanzung betroffener Flächen als einzige Gegenmaßnahme entschieden. Die Gründe: Wollte man alle vom Pilz befallenen Eschen aus dem Wald entnehmen, müssten auf großen Flächen auch die gesunden Stiel- und Roteichen, Hainbuchen, Ahornbäume, Erlen und Linden gefällt werden. Denn würden die gesunden Bäume stehen bleiben, könnten dort keine Pflanzen aus Baumschulen ausgebracht werden, da diese viel Licht gewohnt sind und im Schatten der Bäume nicht gedeihen. Außerdem würden dadurch auch die Lebensräume zahlreicher Tiere verschwinden. Darüber hinaus müsste die Stadtverwaltung bei einem Kahlschlag mit langfristigen Ertragseinbußen im Holzverkauf rechnen, da mehr Holz anfallen würde, als auf einen Schlag vermarktbar wäre. In den folgenden Jahren würde das Brenn- und Nutzholz dagegen fehlen. Hinzu kämen hoher finanzieller und zeitlicher Aufwand für Neupflanzungen und Verbiss­schutz.