Das Aus für Giuliana bei Germany’s Next Topmodel ist traurig, aber wenig überraschend. Immer wieder hatte sie Probleme gehabt, die geforderten Leistungen auf Knopfdruck abrufen zu können. In der vergangenen Folge wurde ihr das zum Verhängnis.

Herbolzheim/ Los Angeles. Bevor es in die Top Ten ging, befragten Heidi Klum und die beiden Juroren Thomas Hayo und Michael Michalsky alle Kandidatinnen, wen sie am schwächsten einstufen würden. Das Urteil war eindeutig: Bis auf Sabine stimmten alle für die Herbolzheimerin Giuliana – auch ihre Freundin Letizia. Ihre Freundin Brenda votierte für sich und für Giuliana. Giuliana war zunächst darüber enttäuscht, auch ihre Freundinnen gegen sich zu haben, gab dann aber zu, dass die Einschätzung gerechtfertigt war. Die Jury schloss sich dem Urteil der Mädchen an. Die Herbolzheimerin scheidet damit als Elfte aus der Show aus.

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Zuvor hatten die Kandidatinnen diesmal die Aufgabe, in einem Modefilm mit dem US-amerikanischen Schauspieler und Model Shaun Ross mitzuspielen. Giuliana hatte dabei mit dem englischen Text merklich zu kämpfen gehabt Bereits die Aussprache schien ihr große Probleme zu bereiten, die Improvisation klappte noch weniger. Als Einzige bekam sie eine zweite Chance beim Dreh, brachte die Szene aber dennoch nur mit Texthängern zu Ende. "Und dann denke ich: Warum, warum? Das frustriert mich so sehr! Ich wusste, dass ich Texthänger haben werde", erklärte sie danach. Auch der Walk als Springer in einem Schachspiel klappte nicht so überzeugend wie gewünscht.

Die Frage nach dem Warum blieb auch bei der Jury: "Ich hätte dich so gerne unter den Top Ten gesehen!", war die einhellige Meinung von Klum, Michalsky und Hayo. Sie solle selbstsicherer sein, denn sie gebe gerade als Transgender-Model anderen Menschen so viel Hoffnung, erklärte ihr Ross: "Deshalb solltest du stolz darauf sein, wer du bist. Jedes Mal!" "Ich habe Angst, dass die Leute mich nicht mögen!", entgegnete Giuliana verzweifelt. Die Angst, nicht ganz sie selbst sein zu dürfen, war während der Show stets allgegenwärtig und ein weiteres Problem, das sie stets begleitete. "Wir mögen dich doch!", erklärte Klum ihr noch einmal energisch – und wirklich: Der spätere Abschied von Giuliana wirkte im Vergleich zu manch anderen sehr sanft. Das Bedauern auf beiden Seiten ist groß. "Liebe Giuliana, ich bin ein riesengroßer Fan von dir. Und du kannst stolz auf dich sein und auf das, was du in den letzten Wochen geschafft hast", gab Klum ihr noch mit auf den Weg. Ihr Mentor Michalsky bestätigte: "Ich finde Giuliana ist absolut einzigartig, sie sieht fantastisch aus, eine tolle junge Frau." Zuvor erklärte er noch: "Du könntest Vorbild für so viele Menschen sein, die dich im Fernsehen sehen. Die sagen: ›Wow, die hat das geschafft. Die macht mir Mut!‹"

Und das ist genau das, was am Ende wirklich zählt: In einer Show, die nur wenig Vorbildcharakter besitzt, war Giuliana ein Vorbild – und sie ist es noch. Sie wird vorerst nicht Deutschlands nächstes Topmodel werden, aber sie hat über Wochen und Monate gezeigt, wie stark sie ist, ohne es selbst zu wissen. Sie hat den Blickpunkt der Gesellschaft auf ein Thema gelenkt, über das man sonst schweigt. Sie ist nicht perfekt. Aber genau dadurch hat sie gezeigt, wie normal es ist, Transgender zu sein. Und dass man sich trotz seiner Angst nicht aufhalten lassen darf. Und ganz allein, um Deutschland das klar zu machen, hat sich ihre Teilnahme bei dieser Show gelohnt!