Das Kammerorchester "Musica Viva" hat seine Zuhörer am Sonntagabend mit einem außergewöhnlichen Konzert im Haslacher Kloster beschenkt. Dirigent Peter Stöhr hatte Stücke englischer Komponisten ausgewählt, der große Applaus sprach am Ende für sich.

Haslach. Mit Charles Hubert Parry wurde ein weniger bekannter Komponist aufgelegt, der erst in den 70er- bis 90er-Jahren wieder entdeckt wurde. Die "Lady Radnor’s Suite" hatte er Ende des 19. Jahrhunderts für seine adlige Freundin Helen geschrieben, die als Frau des fünften Earl of Longford Castle in Salisbury und viktorianische Dame ein Kammerorchester dirigierte. "Das war damals außergewöhnlich, Parry war begeistert und widmete ihr eine Suite", erklärte Stöhr den Zuhörern. Die Uraufführung dirigierte Helen dann Ende Juni 1894 auch selbst. In sechs Sätzen entführte das Kammerorchester in die Romantik, bestach durch seine Interpretation und erntete den ersten großen Beifall des Abends.

Für den ausgezeichneten Soloauftritt Rolf Schillis bemühte Stöhr dann Zeitgenossen des Komponisten Petro Nardini, über den Dichter und Musikschriftsteller Friedrich Daniel Schubart geschrieben habe, dass sich die Zärtlichkeit seines Vortrags unmöglich beschreiben lasse. Jedes Komma scheine eine Liebeserklärung zu sein, man habe eiskalte Fürsten und Hofdamen weinen sehen, wenn er ein Adagio spielte. "Wir hoffen, dass Rolf Schilli das auch gelingt", scherzte Stöhr und hob den Taktstock. Mit außerordentlicher Präzision spielte Schilli die Bratsche, ließ sich vom Orchester dezent begleiten oder wurde musikalisch von ihm getragen. Nardinis "Sonate in f-moll" war 1980 vom Haslacher Komponisten Xaver Thoma entsprechend bearbeitet worden. Das Publikum hörte konzentriert zu, die Spannung löste sich in großem Applaus.

Nach der Pause spielte das Kammerorchester die sehr schöne "Serenade in e-moll op. 20" von Edvard Elgar, die er seiner Frau zum dritten Hochzeitstag komponiert hatte.

Mit der "Simple Symphony" von Benjamin Britten ging das Sommerkonzert zu Ende. Obwohl für ein Jugendorchester geschrieben, erwies sich die Symphonie als gar nicht so einfach, wie der Titel vermuten ließ. Dem Publikum gefiel das Gehörte außerordentlich gut und so erklatschte es sich als Zugabe den letzten Satz aus der Suite für Streicher von John Rutter.