Von Nicola Schwannauer

Der Kinzigsteg zwischen Steinach und Bollenbach wird bald wie ein lang gezogenes Fachwerkhäuschen aussehen: Dafür haben die Steinacher und Haslacher Räte am Mittwochabend mit knapper Mehrheit gestimmt.

Fotostrecke2 Fotos

Haslach/Steinach. Das Ergebnis überrschte nicht nur die Haslacher und Steinacher Bürgermeister Heinz Winkler und Frank Edelmann – beide stimmten für eine der Betonvarianten – sondern auch den Architekten Bernhard Scharbert, der alle Möglichkeiten noch einmal vorgestellt hatte. Mit knapper Mehrheit setzten sich die Befürworter der Holzvariante gegen die Betonbefürworter durch. Zwar hatten diese noch versucht, die Version mit dem Dach zu verhindern und die auffallende, 5,50 Meter hohe Konstruktion als "folkloristisch", "zu wuchtig" und "altmodisch" abgewertet – geholfen hat das alles nicht. Der Steg für Radler und Fußgänger soll als die auffälligste aller Vorgestellten Möglichkeiten ab Mitte 2018 die Kinzig überspannen und 90 Meter lang über den Fluss und das Vorland führen.

Zur Debatte standen fünf verschiedene Varianten: Drei Beton- und zwei Holzmodelle. Viele Räte gaben zur jeweils favorisierten Brücke ihre Stellungnahme ab und zogen dabei Materialien und Kosten, außerdem Wirkung und Aussehen in Betracht. Auch die Frage, wie man im Winter den Schnee vom Steg bekommt, wurde aufgeworfen.

Steinachs Bürgermeister Frank Edelmann meinte hinterher, er sei überrascht über das Ergebnis. Das müsse man jetzt eben so nehmen, und grinsend sagte er­: "Man kann ja Geranienkästen dranhängen, das sieht dann idyllisch aus."

In der Tat zeigten sich einige Befürworter der Holzhäuschen-Variante begeistert von der Idee: Der auffällige Steg mitten im Tal und mit Blick auf die Steinacher Kirche sei ein Blickfang, werde sicher einmal viel fotografiert und biete auch vom Urenkopfturm aus einen schönen Anblick. Das Dach bewahre die Gemeinden außerdem davor, winterliche Schneemassen entfernen zu müssen. Und die vielen Radler des Kinzigtal-Radwegs kämen auch bei Nässe sicher über ihren neuen Steg.

Karla Mahne (CDU), die die Betonbrücke klar favoriesiert hatte, fand, dass die Brücke vor allem funktionieren und kein architektonisches Highlight abgeben solle: "Die folkloristische Variante passt nicht in die Landschaft." Genau das Gegenteil fand Josef Meßmer (CDU) aus Steinach: "Eine Fachwerkbrücke mit Überdachung gibt was her." Martin Schaeffer (Grüne) sagte, eine Holzbrücke wirke warm und gut angepasst an die Landschaft. Katharina Schwendemann (Junge Liste) sagte: "Wenn man die Chance hat, für wenig Mehrkosten etwas Schönes zu bauen, dann sollte man sie ergreifen."

Bei einem Bauwerk in der freien Landschaft spiele die Architektur eine untergeordnete Rolle, fanden einige der Räte. Viele Befürworter der Betonvariante billigten aber auch der Holzbrücke einen Vorteil zu: "Sie bietet einen schönen Anblick vom Urenkopfturm."

Das Thema regionale Wertschöpfung floss ebenso in die Diskussion ein wie die Themen Haltbarkeit und Entsorgung, Folgekosten und der Umweltaspekt bei der Herstellung.

Eine gute Stunde lang arbeiteten sich die Räte daran ab, bis Bürgermeister Winkler zur Entscheidung rief. Erst wurde übers Material, dann über das Modell abgestimmt. Da konnten die Dächlesbefürworter noch manche abgeblitzten Betonbefürworter für sich gewinnen, unter anderem mit dem Argument: "Wer Holz will, braucht ein Dach."

Sonst stelle sich die Frage nach dem Winterdienst, und die Radler müssten bei Nässe unter Umständen absteigen. Einige führten noch ihre eigenen Erfahrungen mit nassen Holzterrassen ins Feld.

Architekt Scharbert schätzte laut seinem Plan die Haltbarkeit der Holzbrücke auf rund 60 Jahre, den Betonvariationen gab er 60 bis 70 Jahre.

Sechs Steinacher und sieben Haslacher Räte stimmten für das Material Holz, die Steinacher Stimmen wurden mit dem Faktor 1,46 multipliziert, "um Parität zu schaffen", wie Heinz Winkler erklärte.

Für die Gewinnerbrücke stimmten schließlich zehn Steinacher und fünf Haslacher Räte. Zehn Haslacher Räte stimmten dagegen, auch nachdem die Betonvariante ausgefallen war. "Jetzt haben wir eine riesige Holzbrücke mit Dach!", zeigte sich Winkler hörbar verblüfft. Frank Edelmann nannte den 930 000 Euro teuren Steg eine "Punktlandung in der Finanzplanung" für Steinach. Sie gebe auf jeden Fall ein tolles Fotomotiv ab.

Jetzt können die beteiligten Gemeinden Zuschüsse beantragen –­ in gut zwei Jahren soll der Bau fertig sein.