Haslach - Der Volksbank Kinzigtal gelingt es jedes Jahr, hochkarätige Referenten für ihre Mitgliederversammlung zu verpflichten. Diesmal schilderte der ehemalige FIFA- und Bundesligaschiedsrichter Babak Rafati die Höhen und Tiefen des Spitzensports.

In den Blickpunkt der Medien im In- und Ausland geriet der Referee am 19. November 2011 vor dem Spiel 1.FC Köln gegen 1. FSV Mainz 05. Er hatte sich in sein Hotelzimmer eingeschlossen, einen Selbstmordversuch unternommen und war nur durch das beherzte Eingreifen seiner beiden Assistenten, die nach ihm suchten, gerettet worden. Die Bundesliga und alle Sportinteressierten standen damals unter Schock.

Rafati erholte sich wieder und unterzog sich einer eineinhalbjährigen Therapie. Seine Schiedsrichtertätigkeit gab er auf, ebenso seine berufliche Laufbahn als Leiter einer Bankfiliale. Jetzt tritt er als Redner zu Präventionsstrategien bei Burnout, Mobbing, Depressionen und Leistungsdruck auf. Und darüber weiß er aus seiner eigenen Lebenserfahrung bestens zu berichten. 25 Jahre sei er Schiedsrichter gewesen, davon "tolle 23", zwei seien allerdings schrecklich für ihn gewesen.

Rafati beschrieb seinen schnellen Aufstieg von den Amateurklassen über die zweite (102 Spiele) in die erste Bundesliga (84 Spiele) und die Berufung zum internationalen FIFA-Schiedsrichter. "Es ist schon ein Supergefühl, die Bayern gegen Dortmund zu pfeifen", erzählte er.

Auch die Begegnung mit Weltfußballern zählt er zu seinen besonderen Erinnerungen. Dabei steht der Schiedsrichter immer im Mittelpunkt der öffentlichen Kritik, im Stadion, in der Presse und in den Medien.

Über seine zwei schrecklichen Jahre mit dem völligen Tiefpunkt in seinem Leben sprach Rafati sehr offen. Atemlose Stille und spürbare Betroffenheit herrschte in der Stadthalle, als er über den genauen Hergang des Tages seines Selbstmordversuchs sprach. "An diesem Tag prasselten alle negativen Einflüsse auf mich ein: Leistungsdruck, Angst vor dem Versagen, der Zorn auf das Mobbing durch meine Vorgesetzten im Schiedsrichterwesen und meiner Kameraden", zählte er auf.

An der Art und Weise wie er sprach, hatte man den Eindruck, dass er diesen Tag innerlich verarbeitet und seine positiven Schlüsse daraus gezogen hat. Eine große Stütze seien seine Frau und seine Familie gewesen. Die Wunden seiner Seele heilte er unter anderem mit seinem Buch "Ich pfeife auf den Tod: Wie mich der Fußball fast das Leben kostete". Die Hauptschuld seines Verhaltens sieht er bei sich selbst, jedoch auch die wichtigen Personen in seinem Schiedsrichterumfeld hätten dazu beigetragen. An einigen Beispielen belegte er diese These eindrucksvoll. Er habe aber jetzt mit all diesen Personen und vor allem mit sich selbst Frieden geschlossen und kann nun auch in Frieden leben. Sein Bekenntnis lautet: "Schwächen machen stark" und "Ich bin ein Vorbild – wie man es nicht machen soll."

Langanhaltender Beifall und viele persönliche Gespräche mit Menschen, die sein Buch kauften und signieren ließen, unterstrichen die Anteilnahme der Zuhörer an seinen Ausführungen.

Eingangs hatten Vorstandssprecher Martin Heinzmann und Vorstand Oliver Broghammer über das Geschäftsjahr berichtet. Die Bilanzsumme ist mit rund 600 Millionen Euro gleich geblieben, ebenso die Kundeneinlagen von 430 Millionen und die Kundenkredite mit 420 Millionen Euro, was zusammen ein betreutes Volumen von 1,23 Milliarden Euro ergibt (wir werden noch ausführlich berichten).