Haslach/Gutach - Die Digitalisierung macht auch vor dem Bankensektor nicht halt: Was Kunden früher mit einem Gang in die Filiale erledigt haben, wird inzwischen immer öfter per Computer oder Smartphone erledigt. Die Sparkasse Haslach-Zell reagiert.

Eine Veränderung der Kundenbedürfnisse bedeutet im Umkehrschluss auch eine Veränderung des betreffenden Dienstleisters. In einem Pressegespräch am gestrigen Donnerstag in der Geschäftsstelle Haslach legten der Vorstandsvorsitzende Bernd Jacobs, Vorstandsmitglied Klaus Minarsch und Michael Hirt, Bereichsleiter Privatkundenmarkt, dar, was sich verändert – und wie sie auf die Veränderungen reagieren wollen.

Im Laufe des Jahres 2017 schließt die Sparkasse Haslach-Zell drei Geschäftsstellen, in denen bislang noch Mitarbeiter vor Ort waren: Gutach, Nordrach und Oberharmersbach. Auf einen genauen Zeitraum legt die Sparkasse Haslach-Zell sich jedoch nicht fest. "Für jeden Ort muss der Zeitraum passen", erklärte Minarsch. Es solle auch keinen einheitlichen Termin für alle Orte geben. Die Kunden der betreffenden Filialen werden informiert, sobald der Fahrplan steht. Gespräche mit den betreffenden Bürgermeistern wurden bereits geführt, am Mittwoch wurden die Mitarbeiter und Gemeinderäte informiert. Den betroffenen Kunden sollen die Möglichkeiten, weiterhin mit der Bank in Kontakt zu treten, aufgezeigt werden. Ein schonender Übergang und langsamer Abnabelungsprozess also. Und wenn die Mitarbeiter nicht mehr da sind?

In Gutach und Oberharmersbach bleibt die Selbstbedienungstechnik in den Geschäftsstellen weiterhin bestehen. In Nordrach kooperiert die Sparkasse Haslach-Zell mit der Volksbank Kinzigtal. Kunden beider Institute können an einem Geldautomaten gebührenfrei Geld abheben. So lange Kundenbedarf und die Räumlichkeiten vorhanden sind, bietet die Sparkasse außerdem in Gutach und Oberharmersbach weiterhin individuelle Beratung an – nach vorheriger Terminvereinbarung.

Beratung und Service als Kernkompetenz

Die sechs Personen, die bislang in den betreffenden Geschäftsstellen arbeiten, bleiben weiterhin bei der Sparkasse beschäftigt. Sie wechseln ins Beratungscenter in Zell und die Hornberger Geschäftsstelle. "Die brauchen wir alle", stellte Jacobs klar.

Denn in dem sich stark veränderten Markt will die Sparkasse Haslach-Zell weiterhin auf Beratung und Service als Kernkompetenz setzen. Aber: "Wichtiger als der Ort, an dem die Geschäfte getätigt werden, ist der persönliche Kontakt." Wie Jacobs anhand von Erhebungen belegte, verlagert sich der Kontakt, den die Kunden mit der Bank suchen, immer weiter ins Digitale oder den SB-Bereich der Geschäftsstellen. Seit etwa zehn Jahren gingen die Kunden deutlich anders mit der Sparkasse um, erklärte er und führte diese Entwicklung vor allem auf das Smartphone zurück: "Heute hat jeder seine Bank in der Hosentasche."

Statistiken der Sparkasse belegen, dass Kunden im Schnitt 16-Mal pro Monat per App Dienste der Bank in Anspruch nehmen – aber nur noch einmal im Jahr den persönlichen Kontakt in der Geschäftsstelle suchen. "Wir kommen hier im Geschäftsbereich auf ähnliche Zahlen", sagte Minarsch. Insgesamt werden derzeit knapp 60 Prozent der Geschäftsvorfälle der Sparkasse Haslach-Zell online abgewickelt. Im Onlinebanking verzeichnet die Bank im Durchschnitt 2633 Aufrufe am Tag. Die Anzahl der manuellen Transaktionen hat sich zwischen 2010 und 2016 mehr als halbiert. In einigen Geschäftsstellen werden nur noch vier Buchungen pro Stunde verzeichnet. "Die Serviceleistungen werden mit einer gravierenden Tendenz nicht mehr so in Anspruch genommen wie früher. Dem müssen wir uns stellen", sagte Jacobs.

Der Kundenkontakt verlagert sich also auf digitale Kanäle . Die Sparkasse reagiert auf diese Entwicklung und setzt auf Beratungsqualität sowie eine Bündelung der Kapazitäten. So sollen in den drei Beratungscentern in Zell, Haslach und Hausach in Zukunft auch Vermögensberater und Baufinanzierungsspezialisten vor Ort sein – neben den Privatkundenberatern. Die Realisierung dieses Konzepts steht für Haslach noch aus.

Persönliche Beratung ist nach Terminvereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich: Von 8 bis 20 Uhr. Zudem ist im digitalen Bereich auf zahlreichen Kanälen vertreten, erst kürzlich wurde die Fotoüberweisung eingeführt und mit "Kwitt" ein neues, vereinfachtes Bezahlsystem per Sparkassen-App. Die Erreichbarkeit bleibt somit bestehen, verlagert sich jedoch. Minarsch erinnerte daran, dass die Filialnetze der Banken erst mit der Einführung des Girokontos so engmaschig ausgebaut wurden. Der damalige Auf- und jetzige Abbau dieses Netzes seien beide Reaktionen auf veränderte Bedürfnisse bei den Kunden zurückzuführen.

Das Ziel ist weiterhin, bis Ende 2018 weniger Personal zu beschäftigen. Es gebe eine konkrete Zielvorgabe, sagte Jacobs, äußerte sich aber nicht weiter zu den Zahlen. Er sei jedoch optimistisch, dass diese über die "natürliche Fluktuation" des Unternehmens erreicht werden könne. Im Lichte der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung und auch der anhaltend niedrigen Zinsen "werden wir sehen müssen, was 2017 und 2018 weiter passiert", schickte Jacobs bereits voraus.