Von Ariane Fries

Drei von vier Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Friesenheim haben sich gestern Abend in der Sternenberghalle vorgestellt und zahlreiche Fragen ihrer Wähler beantwortet. Jeweils 20 Minuten blieben ihnen, um sich besonders hervorzuheben.

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Friesenheim . 20 Minuten um sich zu präsentieren und die Ziele für die Gemeinde zu definieren, sind nicht lange. Die Sternenberghalle war proppenvoll. Im Foyer war eine Leinwand aufgebaut, sodass diejenigen, die keinen Platz mehr in der Halle hatten, die Veranstaltung trotzdem verfolgen konnten. Denn, wie auch Bürgermeister Armin Roesner in seiner Rede sagte: "Die Wahl des Bürgermeisters ist wohl die wichtigste Personalentscheidung, die in einer Gemeinde zu treffen ist."

Das Trio hatte sich akribisch auf diese Zeit vorbereitet. Erik Weide (41) trug zur Sicherheit seine Uhr, die ihn schon durch den Langdistanztriathlon "Ironman" im Sommer begleitet hatte. Alle drei hatten ihre Vorstellungsreden minutiös geplant. Zwar warnte eine rote Lichtleiste, wenn die letzte Minute anbrechen würde, doch danach drehte der Wahlausschuss das Mikrofon ab. Anschließend hatte jeder Kandidat nochmal 15 Minuten Zeit, um die individuellen Fragen der Bürger zu beantworten.

Nur Rafael Mathis (33) als dritter Redner legte eine Punktlandung. Dafür musste er in der anschließenden Fragenviertelstunde auch nur zwei Fragen aus dem Publikum beantworten. Stefan Köhler sagte: "Sie wären auch Bürgermeister von Sozialhilfeempfängern, Alleinerziehenden und Asylbewerbern und nicht nur von Gewerbetreibenden." Er wollte wissen: "Was ist das, was die Friesenheimer im Inneren zusammenhält?" Dem entgegnete Mathis, dass er sich im Falle einer Wahl nicht als Bürgermeister sehe, sondern als erster Diener der Gemeinde. Er gehe auf alle Bürger ein.

Josef Hugelmann, Gemeinderatsmitglied, sprach alle Kandidaten auf das geplante Güterverkehrszentrum (GVZ) an. Julian Christ (28) antwortete, das er das Gespräch mit dem IGZ-Geschäftsführer Markus Ibert gesucht habe. "Ob das Vor- oder Nachteile bringt, kann heute keiner seriös beantworten", sagte Christ weiter. Es sei wichtig, frühzeitig in die Gespräche einzusteigen. Weide antwortete, dass er als Bürgermeister nicht für dieses Zentrum sein könne. "Wenn es dazu kommen solle, werde ich den engen Kontakt zur Stadt Lahr suchen", so Weide. Aber er wolle die Bürger schützen. Mathis war sich indes sicher, dass sich das GVZ nicht verhindern lasse. Aber bis es kommt, dauere es noch, sodass ein Verkehrsgesamtkonzept entwickelt werden könne.

Aber die Wähler hatten noch mehr Fragen: Wie wollen Sie Friesenheims Haushalt auf den Vordermann bringen? Was würde sich in acht Jahren Amtszeit verändern? Wie würden Sie das neue Ortszentrum beleben? Sind Sie bereit Ihre neuen Ideen jedes Jahr in einer Bürgerversammlung vorzutragen? Und: Treten Sie mit der Deutsche Bahn in Kontakt, damit mehr Züge in Friesenheim halten?

Ein Stuhl blieb leer: Michael Eckardt, ein vierter Bewerber von der Partei "Nein!-Idee", war nicht gekommen. Er will das Amt gar nicht. Seine Partei will den Wähler ermöglichen, Nein zu sagen.