Von Christine Bohnert-Seidel

Bei einem Neujahrsempfang wird üblicherweise auch auf das vergangene Jahr geschaut. Gestern in Friesenheim reichte der Blick deutlich weiter in die Vergangenheit – 1000 Jahre. So lange liegt die Gründung von Friesenheim und Heiligenzell zurück.

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Friesenheim. Der Neujahrsempfang in der Sternenberghalle bildete den Auftakt der 1000-Jahr-Feier der beiden Teilorte. Das Jubiläum wird in den nächsten Monaten mit einer Reihe von Veranstaltungen begangen. Mehr als 500 Gäste bildeten eine würdige Kulisse. Fulminanter Auftakt war eine Millenniumsfanfare aus der Feder von Marco Hertenstein, zu Ende ging der Abend mit einem leidenschaftlichen Ausruf von Ortsvorsteher Gerold Eichhorn, der als Motto für das gesamte Jahr 2016 taugen dürfte: "Lasst uns gemeinsam feiern."

Eine Reihe von kostümierten Darstellern versetzte das Publikum in die Gründerzeit zurück. Das Kaiserpaar Kunigunde (Marie-Luise Wiechers) und Heinrich II. (Helmut Britsch) gab sich die Ehre. Doch auch Ereignisse aus der weniger weit zurückliegenden Vergangenheit wurden lebendig, etwa durch den Museumsdirektor Heinrich: Pfarrer Rainer Janus war die Rolle des eigensinnigen und allseits offerierenden Herren aus dem 19. Jahrhundert auf den Leib geschneidert. Am Mikrofon begleitete Uwe Baumann und mischte mit im Improvisationstheater, das für kurzweilige Übergänge sorgte.

"Besäße ich die geniale Musikalität unserer beiden jungen Künstler Melanie Bähr und Marco Hertenstein, würde ich jetzt mit aller Kraft und Leidenschaft eine Pauke bedienen", begrüßte Charlotte Schubnell, Vorsitzende des Fördervereins zur 1000-Jahr-Feier, die Gäste. Als Wundertüte offenbarte Schubnell das Programm zum Neujahrsempfang, in dessen Mittelpunkt nicht nur das Kaiserpaar rückte, sondern auch die Klaviervirtuosin Melanie Bähr: Sie begeisterte derart, dass das Publikum stehend applaudierte. Ein weiterer Höhepunkt war die Uraufführung von Marco Hertensteins Millenniumsfanfare. Der Komponist überreichte die Abschrift seines Werks offiziell dem Kaiserpaar (großes Foto).

Bürgermeister Armin Roesner erinnerte in seiner Festansprache an geschichtliche Er eignisse seit der ersten urkundlichen Erwähnung der beiden Orte im Jahr 1016. Den Grundstein für die Entwicklung der Großgemeinde hätten die fünf hauptamtlichen Bürgermeister Ernst Ehret, Josef Roth, Rudolf Gißler, Karl Haas und Josef Blattmann gelegt, die den freiwilligen Eingliederungsvertrag gemeinsam beschlossen. Die Entwicklung einer modernen Gemeinde nahm so ihren Lauf. Roesner dankte in seiner Ansprache für die vergangenen 16 Jahre, in denen er die Gemeinde habe leiten dürfen. Beispielhaft sei in Friesenheim die christlich gelebte Humanität im Einsatz für die Flüchtlinge. "Friesenheim mit seinen Ortsteilen ist eine liebens- und lebenswerte Gemeinde, die fit genug ist, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen", so Roesner. Im Anschluss an den offiziellen Teil des Empfangs bewunderten die Gäste ein Eintags-Museum mit Objekten aus den vergangenen Jahrhunderten.