Von Alena Ehrlich

Friesenheim. Stefan Armbruster vom RSC Friesenheim ist beim längsten Radrennen Europas 540 Kilometer von Trondheim nach Oslo gefahren. Styrkeproven, zu Deutsch "Kraftprobe", heißt das norwegische Rennen, das in diesem Jahr zum 48. Mal veranstaltet wurde.

Armbruster selbst war zum zweiten Mal mit dabei. "Nach 16 Stunden Dauerregen entwickelte sich im Laufe des vergangenen Jahres eine gewisse Hassliebe gegen dieses Rennen", schreibt Armbruster in seinem Bericht. Zwar hatte er Respekt davor, die Strecke erneut im Regen zurückzulegen, doch hätte er sich auch geärgert, wenn er bei gutem Wetter zu Hause geblieben wäre. Anfang März begann er also mit einem konsequenten Trainingsplan.

Armbruster schloss sich dem Vitargo-Team Germany an. Ziel der Gruppe war es, das Rennen in 18 Stunden zu beenden. "Wer die unberechenbaren Wetterbedingungen in Norwegen kennt, wäre blauäugig, nur das eine Ziel zu verfolgen", erklärt Armbruster. Daher mussten auch Plan B bis Z her.

Am Vorabend des Rennens traf sich das Vitargo-Team zu einem Meeting, in dem Teamtaktik, Rennverlauf und Verpflegung besprochen wurden. Es sollte "norwegisch" gefahren werden, immer mit gleichmäßiger Intensität. "Das Vitargo-Team ist meiner Meinung nach gescheitert. Vielleicht war ich auch zu schwach für die angepeilte Zielzeit von 18 Stunden, aber die Verabredungen zur Fahrweise wurden absolut nicht eingehalten", kritisiert Armbruster rückblickend. Trotzdem bereue er die Fahrt in dem Team nicht, immerhin seien gute Kontakte zu Teamkollegen entstanden.

Zu Beginn des Rennens sei die Disziplin der Mannschaft noch vorhanden gewesen, mit der Zeit wurde aber immer hektischer gefahren. "Nachdem dann auch noch unser Kapitän eine Panne hatte, war es mit der Ordnung dahin. Nach 60 Kilometern bin ich innerlich schon bei Plan X angekommen", schreibt Armbruster. Er entschied sich dafür, ein eigenes Rennen zu fahren – und löste sich bis zur Verpflegungsstation von der Gruppe. Zwischenzeitlich bildeten sich wieder kleine Gruppierungen aus den Vitargo-Fahrern. Nach rund 120 Kilometern kam das norwegische CK Victoria-Team dazu. Sie hatten sich 20 Stunden bis zum Erreichen des Ziels vorgenommen, und Armbruster schloss sich ihnen an. Nach weiteren Stürzen innerhalb des Teams ging es in einer Dreiergruppe weiter.

Bei leichtem Regen und bereits nach 23 Uhr radelte Armbruster von der letzten Versorgungsstation im Windschatten des norwegischen Teams, das inzwischen aufgeholt hatte, weiter. Nach einer weiteren Panne des Teams folgte für Armbruster "das schwerste Stück des Rennens". Bei Nacht, Regen, Gegenwind und einem welligen Streckenprofil war er auf sich alleine gestellt. Als der Regen nachließ und die Sonne aufging, holte das Team Victoria und auch zwei Vitargo-Teamkollegen auf. Nur noch 100 Kilometer bis nach Oslo. "Keine große Sache", schreibt Armbruster. "Jetzt kam bei mit die gleiche Euphorie auf wie letztes Jahr". Um 6.16 Uhr überquerte er gemeinsam mit dem Victoria-Team die Ziellinie. Mit der Zielzeit von 21 Stunden und 16 Minuten ist er dann doch noch zufrieden gewesen.

Ein weiterer Höhepunkt kam ganz am Schluss: Ein Kollege traf die mehrfache Paralympics-Siegerin Verena Bentele auf der Suche nach einer Transportmöglichkeit zum Hotel. "Klar, dass wir sofort weitergeholfen haben. So bekamen wir einen netten Kontakt zu einer tollen Sportlerin und freundlichen Persönlichkeit", berichtet Armbruster.

"Die Kraftprobe war dieses Jahr ein völlig anderes Rennen", resümiert der Radsportler. Die Wetterbedingungen seien, abgesehen von Gegenwind und kurzen Regenschauern, fast optimal gewesen. Ohne Verzögerungen durch Stürze und Pannen sei auch eine 20er-Zeit realistisch, findet Armbruster. Ob er nächstes Jahr wieder an der "Kraftprobe" teilnimmt, hat er noch nicht entschieden. "Ich hab’ schließlich schon beide Extreme mitgemacht".