Die Friesenheimer Hundefreunde sind sportlich erfolgreich. Vor allem das Team aus Yannick Kayser und seinem Hund "Punk" erreicht regelmäßig Bestplatzierung. Wir werfen einen Blick in den Trainingsalltag eines vierbeinigen Leistungssportlers.

Friesenheim. Es gibt viele Hundehalter, die am sportlichen Umgang mit ihrem Hund Freude haben. Dabei bietet die Hundesportwelt heutzutage eine große Vielfalt an Disziplinen – von Agility über Flyball bis zu Obedience: da ist für jede Rasse etwas dabei. Einer der ältesten Hundesport-Sparten ist der Gebrauchshundesport – früher auch Schutzhundesport genannt. Für diese Gebrauchshundeprüfung gilt innerhalb der FCI eine einheitliche internationale Prüfungsordnung: kurz IPO genannt. Die IPO wird in den Leistungsstufen IPO 1 bis IPO 3 abgelegt und von speziell ausgebildeten Leistungsrichtern abgenommen. In jeder dieser Stufen gliedert sich die Prüfung in drei Abteilungen: A – Fährte, B – Unterordnung und C – Schutzdienst.

Friesenheimer Verein ist seit 2008 erfolgreich

Beim Verein der Hundefreunde Friesenheim sind seit 2008 die IPO-Teams sehr erfolgreich und gingen seither bei vielen nationalen und internationalen Meisterschaften als Sieger hervor. Landesmeister-, Bundessieger- und auch Weltmeistertitel brachten die Friesenheimer Hundesportler mit nach Hause. Zu diesen Teams gehört Yannick Kayser mit seinem achtjährigen Belgischen Schäferhund "Punk vom Further Moor".

Im Oktober 2013 begann die sportliche Karriere des Teams: Kayser legte mit "Punk" die IPO 1 mit einem Traumergebnis von 296 Punkten (99/99/98) ab, im August 2014 folgte die IPO 3 wieder mit einem vorzüglichen Ergebnis von 298 Punkten (100/98/100). Im Oktober des selben Jahres konnten sie den ersten überregionalen Erfolg für sich verbuchen: sie siegten bei den Baden-Württembergischen DVG-Landesmeisterschaften wie auch beim DMC-Regionalchampionat.

Nicht nur im DVG-Landesverband Baden-Württemberg waren der Friesenheimer Hundesportler und sein vierbeiniger Teampartner erfolgreich. 2016 wurden Kayser/Punk DVG-Bundessieger und qualifizierten sich das erste Mal für die VDH-Deutsche Meisterschaft, wo sie mit dem achten Platz ganz knapp die Qualifikation zur Weltmeisterschaft aller Rassen verpassten.

Innerhalb des Rassezuchtvereins Deutscher Malinois Club (DMC) hatten sie mehr Glück: hier qualifizierten sich die beiden für die Weltmeisterschaft der Belgischen Schäferhunde (FMBB) im Frühjahr, an der mehr als 140 IPO-Starter aus der ganzen Welt teilnahmen. Dort konnte sich Kayser mit Punk im Finale der besten 20 Teilnehmer auf Platz 15 platzieren. Im Juli ging es für Kayser wieder auf Reisen zur Deutschen Meisterschaft in Gelsenkirchen. Dabei erreichte er den dritten Platz und qualifizierte sich so für die FCI-Weltmeisterschaft aller Rassen im September in Rheine.

Trainingsplan wird individuell erstellt

Um diese Erfolge zu erreichen, muss der Team-Partner Hund enorme Leistungen bringen, die nicht nur durch "normales" Training der Übungsteile in den drei Abteilungen Fährte, Unterordnung und Schutzdienst erreicht werden kann. Ebenso wie bei einem zweibeinigen Leistungssportler gehört für die Vorbereitung zu den großen und anstrengenden Wettkämpfen ein gezieltes Training für Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination dazu. Dieses Training muss individuell für jeden Hund abgestimmt werden.

Genau wie bei Menschen beschäftigt sich die Tierphysiotherapie mit dem Analysieren und Interpretieren des Bewegungssystems und des Bewegungsverhaltens der Hunde, um dann durch zielgerichtete Trainingspläne präventiv den Hund bestens vorzubereiten und Sportverletzungen zu vermeiden. So wird Punk von der Physiotherapeutin im Veterinärbereich Christiane Gräff betreut. Sie hat ihm einen individuellen Trainingsablaufplan erstellt.

INFO

Eine Woche in "Punks" Leben

Zur Vorbereitung auf die deutschen Meisterschaften hat "Punk vom Further Moor" einen detaillierten Trainingsplan durchlaufen. Wie eine Trainingswoche vor einem solch großen Wettkampf aussieht, hat Yannick Kayser der "Lahrer Zeitung" erzählt:

> Montag stehen Bergsprints für die Kraftausdauer an. Dazu geht es dreimal über eine Distanz von 80 Metern bei einer Steigung von sechs bis zehn Prozent. Diese Serie wird dreimal wiederholt. Dafür fährt Kayser an den Rhein und lässt Punk die Rheindämme hoch sprinten.

> Dienstag steht ein regenerativer Dauerlauf an. Zehn bis zwölf Kilometer werden dazu im lockeren Trab bei etwa zwölf Stundenkilometern bewältigt. Zudem muss "Punk" ins Techniktraining. Unterordnung und Schutzdienst werden geschult.

Mittwoch kommt dann ein

Kraftausdauer-Training für die Nacken- und Rückenmuskulatur dran. Dazu gehört dass der Vierbeiner seinen Nacken hebt und senkt mit einem schwingenden Gewicht von 2,5 Kilogramm. Außerdem trainiert er indem er ein fünf Kilogramm schweres Gewicht trägt.

> Donnerstag heißt die Aufgabe "Kraftausdauer-Training an der aerob/anaeroben Schwelle". Sieben Mal rennt der Hund dabei einen Kilometer lang mit einer Geschwindigkeit von rund 17 Stundenkilometer. Dazwischen gibt es jeweils 5 Minuten Pause.

> Freitag ist ein regenerativer Dauerlauf angesagt über zehn bis zwölf Kilometer in lockerem Trab. Außerdem wird beim Techniktraining für die Fährtenarbeit die Schnauze trainiert.

> Samstag sind Sprints in der Ebene mit Stretching-Übungen angesagt. Drei Mal geht es schnellstmöglich über 50 Meter. Die Serie wird drei Mal wiederholt.

> Sonntag gibt es dann wieder Kraftausdauer-Training für die Nacken- und Rückenmuskulatur.

> Die letzten fünf Tage vor einem Wettkampf werden nur noch lockere Sachen gemacht. Keine Sprints und Kraftausdauerübungen mehr, nur noch regenerative Dauerläufe. Nach dem Training gibt’s ein Bad zu Abkühlung.