Die inzwischen siebte Fotovoltaikanlage der Ettenheimer Bürgerenergiegenossenschaft ist auch die leistungsstärkste. Sie wird derzeit von einer Fachfirma auf dem Erweiterungsbau des August-Ruf-Bildungszentrums installiert.

Ettenheim. 185 Module auf einer Gesamtfläche von rund 300 Quadratmetern werden auf dem etwa 350 Quadratmeter großen Flachdach angebracht. Bei einer Leistung von 265 Watt je Modul rechnet die Bürgerenergie mit einer jährlichen Stromproduktion von 46 000 Kilowattstunden. Das entspricht in etwa dem jährlichen Strombedarf von 15 Haushalten.

Schon vor Inbetriebnahme der neuen Anlage darf Ettenheim – auch dank des Engagements der Bürgerenergie – eine gewisse Vorbildfunktion für sich reklamieren. Während bundesweit derzeit rund ein Drittel des Stroms aus erneuerbarer Energie gewonnen wird, rechnet Ettenheim für das laufende Jahr mit einem Anteil von 63 Prozent. Fotovoltaiktechnologie und Windkraftanlagen werden allgemein als die "Arbeitspferde" der Energiewende angesehen – in beidem ist die Ettenheimer Genossenschaft außerordentlich aktiv.

Der Laie ist zunächst verblüfft, dass die Module der neuen Anlage auf dem BIZ mit einer Neigung von zehn Grad nach Osten und nach Westen, also nicht nach Süden ausgerichtet sind. Jörg Bold, Vorsitzender der Bürgerenergie, erklärt, dass so kein Reihenabstand erforderlich sei (Stichwort: leistungshemmender Schatten), die Dachfläche auf diese Weise wesentlich intensiver genutzt werden könne. Eine weitere Besonderheit der neuen Anlage: Jeweils zwei Module erhalten einen Leistungsoptimierer, wo bisher in der Regel einer pro Reihe mit etwa 15 Modulen Usus war. Somit soll die maximale Leistungsabgabe für jedes einzelne Modulpaar erfasst und eine verbesserte, kostengünstigere Wartung auf Modulebene ermöglicht werden.

Bold ist wichtig zu betonen: "Es soll eine Bürgeranlage sein." Deshalb könne sich jeder Ettenheimer, auch wenn er bislang keines der derzeit 186 Genossenschaftsmitglieder sei, mit 500 Euro an der neuen Anlage auf dem BIZ beteiligen. "Durch die aktuell günstigen Modulpreise können wir eine auskömmliche Wirtschaftlichkeit erreichen", verspricht Bold. Wer sich über den Erwerb von Geschäftsanteilen an der Bürgerenergie beteilige, partizipiere gleichzeitig am gesamten Wirtschaftsergebnis der Genossenschaft, also auch an den Erträgen der bestehenden Solarstromanlagen und aus der Windkraft. Bisherige Mitglieder der Genossenschaft könnten ihre Anteile bis zu einer Gesamthöhe von 2000 Euro aufstocken, so der Vorsitzende.

Bis Ende des Monats soll die Installation laut Bold abgeschlossen sein. Dann könne sie der Öffentlichkeit übergeben, also ans Netz des Stromversorgers angeschlossen werden und so "einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten".

INFO

Neue Dimension

180 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzierten die Fotovoltaikanlagen der Bürgerenergie laut ihrem Vorsitzendem Jörg Bold bislang. Die neue Anlage leistet mit 46 000 Kilowattstunden also alleine rund ein Viertel des Stroms der bisherigen sechs Anlagen. Ende 2011 wurde die erste Fotovoltaikanlage der Ettenheimer Genossenschaft auf der Schule in Münch­weier errichtet. Die bisher größte Anlage der Genossenschaft war die auf dem Dach des Sportvereins Ettenheimweiler.