Mit rund 260 Zuhörern hatte sich die Kirche St. Bartholomäus ansehnlich gefüllt, als der Kirchenchor Heilig Kreuz aus Münch­weier und der Kammerchor Cantemus aus Gundelfingen zum gemeinsamen Konzert aufspielten. Das Motto: "Ewigkeit".

Ettenheim. Beide Chöre werden von Bernhard Schmidt geleitet, weshalb sich ortsübergreifend eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt hat.

Mit einem kraftvollen Orgel-Prélude des Franzosen Gabriel Pierné führte sich der junge Organist Sebastian Bausch, Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe, prächtig ein. Er hatte auch als Chorbegleiter im Laufe des Abends unentwegt viele Register zu ziehen oder abzustoßen, überzeugte mit Souveränität und Virtuosität. Nicht minder der 105 Sänger starke Doppelchor mit zwei Dritteln Damenanteil. Schon mit Charles-Marie Widors jubilierender modernen Messe "Kyrie-Gloria" stellte er seine stimmgewaltige Ausdruckskraft unter Beweis. Ebenso wie bei Widors vielstimmigem "Agnus Dei", getragen und ergreifend, wie es sich für einen Liturgiegesang zur Eucharistie gehört.

Als dritter der französischen Zeitgenossen, übrigens alle im Jahr 1937 gestorben, stand der Spätromantiker Louis Vierne auf dem anspruchsvollen Programm. Nach kraftvollem Orgel-Einstieg mit um Erbarmen flehendem Kyrie und jubilierendem Gloria aus dessen feierlicher "Messe Solenelle". Die Zuhörer honorierten diese eindrucksvolle Interpretation mit besonders starkem Zwischenapplaus. Zwischendurch hatte sich Bausch neben Piernés "Cantilène" und "Scherzando" aus den "Trois Pieces" auch mit Maurice Ravels nachdenklich-impressionistischen "Le Jardin féerique" und ebenso kontemplativem "Pavane" eindrucksvoll empfohlen. Und zwar ganz anders als man Ravel vom dynamischen "Bolero" her kennt.

Die Mitglieder des großen Doppelchors hatten das lange abendliche Konzert nicht nur im Wortsinn durchgestanden, sondern auch beim Abschluss mit einem weiteren "Agnus Dei", wieder von Vierne, nochmals mit großer gesanglicher Ausdruckskraft in reifer Gesamtleistung geglänzt. Das honorierten die Zuhörer mit lange anhaltendem Schlussapplaus. Gesamtleiter Schmidt, gerade mal 35 Jahre alt, freute sich über das gelungene Kirchenkonzert und die große Resonanz – nicht nur was den passenden Hall im Kirchenraum anbelangt, sondern auch bei den Gästen.

INFO

Singen in Genua

Mit dem gleichen Programm wird der große Chor Ende Oktober in Genua gastieren, nächstes Jahr auch in Köln und dem Straßburger Münster. Weitere Chormitglieder sind, versichert Chorleiter Schmidt, jederzeit willkommen. Interessenten können etwa in Münchweier bei den montäglichen Chorproben ab 20 Uhr im Pfarrhofsaal vorbeischauen.