So etwas hat Münchweier noch nicht erlebt: Zum 50. Geburtstag der Gelruewe-Ritter war das Dorf ein Wochenende fest in der Hand der Narren, es war eine Art freundliche Invasion der Fastnachter.

Münchweier. Das hätten sich die Gelruewe-Ritter bei ihrer Gründung 1967 wohl kaum erträumt: Am Wochenende feierten sie mit vielen weiteren Fasent-Zünften und -Fans ihr Jubiläum im und um das Großzelt.

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Das fulminante Wochenende begann am Freitagabend auf der Festzelt-Bühne: Es waren einige der zwölf weiteren Mitgliedszünfte der Narrenvereinigung Südring gekommen, um sich und ihren speziellen Brauchtum vorzustellen, natürlich samt Hästrägern und entsprechenden Schlachtrufen. Mit dabei unter anderem: die Wallburger Wilde Christen, die Ruster Hanfrözi, die Ringsheimer Rämässer und die Kappeler Rhinschnooge. Auch zu späterer Stunde ließ die Laune im Großzelt nicht nach, auch dank der Guggenmusik der Kippenheimer Moorebätscher und der Richebacher Schutterschlurbi oder den Aichhaldener Hexen und der Münchweierer "Dancing-Generation".

Am Samstag folgte – nach etwas Ausschlafen – der nächste Schlag mit einem Nachtumzug durch den Münch­weierer Kernort. Daran nahmen rund 1000 aktive Hästräger aus 40 Zünften teil. Trotz empfindlicher Minusgrade säumten dazu ungezählte Zuschauer die gesperrten Straßen, genossen das Spektakel der Narren mit Lämpchen, Fackeln, Lichtschwertern und sogar manch leuchtenden Guggenmusikinstrumenten. Neben Feuerwehr und Rotem Kreuz waren Hunderte Helfer der örtlichen Vereinsgemeinschaft im Einsatz.

3100 Hästräger am Sonntag unterwegs

Der absolute Höhepunkt startete am Sonntagmittag: Beim Jubiläumsumzug (eine große Schleife rund um den Ettenbach und Dorfkern) nahmen gar 71 Zünfte teil, mit etwa 3100 Aktiven – von Hästrägern bis Guggenmusikern. Schon deren Anreise per Bus war eine logistische Meisterleistung. Die von auswärts kommenden Zuschauer nahmen gerne weitere Fußwege in Kauf. Die Münchweierer Bevölkerung erwies sich trotz der abermaligen Narren-Invasion als gelassener Gastgeber.

Das Wochenende geriet spätestens am Sonntag zu einem in dieser Intensität selten gesehenen Brauchtums- Spektakel: Hexen, Teufel, Kruttstumpe, Erzklopfer, Geisemeckerer oder Ölberggeister schlurften durch das verschneite Dorf. Dazu kamen Rebläuse und Moschtbire, Driebelbisser und Stänglihocker.

All das wurde an zwei Stationen auch für des Badischen nicht mächtige Zuschauer kommentiert. Zu hören gab es Interessantes und Wissenswertes zu den Wurzeln des Brauchtums vom Hochrhein bis ins Nordbadische. Auf die Ohren gab es zudem abermals ordentlich Guggenmusik.

Die mehreren Tausend Besucher zeigten sich hellauf begeistert. Die Gelruewe-Ritter schafften es, ihr Jubiläum in der badischen Narrengeschichte zu verewigen, nicht zuletzt dank eines geschlossen dahinter stehenden Dorfs.