Ob Bachelor, Master oder Diplom: Es gibt gute Gründe, die Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben. Allerdings auch dafür, es an der Hochschule zu tun. Das ist keine leichte Entscheidung zum Studienende hin. Was hilft, ist abwägen.

Viele Studierende entscheiden sich dafür, ihre Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben und diese als Sprungbrett in den Beruf zu nutzen. Was auf den ersten Blick durchaus attraktiv klingt, hat erfahrungsgemäß auch seine Tücken. „Der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch einerseits und den Anforderungen des Unternehmens andererseits kann groß sein.“ Das steht zusammengefasst in dem Buch „Die Abschlussarbeit im Unternehmen“, geschrieben von Olaf Schmidt. Grundsätzlich haben Studierende zwei Möglichkeiten. Entweder sie suchen sich ein Thema, das sie interessiert und im Idealfall mit ihrer Wunschtätigkeit zu tun hat und bearbeiten es an der Hochschule. Oder sie kooperieren für die Arbeit mit einem Unternehmen. Die meisten Mittelständler und fast alle Konzerne bieten diese Möglichkeit an. Sie sind leicht im Internet zu finden, teilweise auch schon mit Themenangeboten.

Erhöhte Jobchancen

Wer die Arbeit in einem Unternehmen schreibt, lernt es kennen. Seine Kultur und Kollegen, Abläufe und Aufgaben. Und das Unternehmen lernt den Studierenden kennen. Zweifelsfrei eine Win-win-Situation für beide Seiten. Die, wenn die Chemie stimmt und es in der Wirtschaft läuft, mit einer Einstellung enden kann.

Wer als Student seine Abschlussarbeit im Unternehmen schreibt, erhöht seine Jobchancen. Denn jede dritte Stelle wird über persönliche Kontakte besetzt. Dies hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in einer Studie herausgefunden. „Abschlussarbeiten im Unternehmen werden gut bezahlt, betreut und mitunter besser benotet“, so Professor Werner Zimmermann von der Hochschule Esslingen. Allerdings funktioniere nur in der Hälfte aller Fälle der direkte Übergang von der Abschlussarbeit in die Anstellung. „Da muss man sich schon gut überlegen, wie man im Bewerbungsschreiben an die Firma B begründet, dass man bei der Firma A seine Abschlussarbeit und vielleicht auch noch ein Praxissemester gemacht, aber dann dort keine Stelle erhalten hat.“ Die Abschlussarbeit im Unternehmen kann zudem einen inhaltlichen Spagat bedeuten. Schließlich soll sie zwei Herren dienen. Sie muss den praktischen Ansprüchen des Unternehmens und denen der wissenschaftlichen Hochschule gerecht werden.

Dass es noch nie so viele Studenten gab wie derzeit, ging durch die Medien. Der gro- ße Andrang hat seinen Preis: Professoren müssen immer mehr Studenten betreuen. Deren Anzahl wächst zwar auch, allerdings nicht in der Geschwindigkeit steigender Studentenzahlen. Das führt zu problematischen Betreuungsverhältnissen auch für Abschlussarbeiten. In der Wirtschaft arbeitet man gemeinsam, an Hochschulen schreibt man die Arbeit einsam. Geld gibt es an der Hochschule keines, Beziehungen in die Wirtschaft nur manchmal. Aber: Man kann relativ frei an seinem Thema arbeiten. Und man ist frei, weil nicht in die Organisation eines Unternehmens eingebunden. Student sein hat viel mit Freiheit zu tun. Manche wollen sich diese Lebensphase möglichst lange bewahren – und schreiben daher aus rein emotionalen Gründen ihre Abschlussarbeit an der Hochschule.